Bernsteine
Bernstein wurde seit Tausenden von Jahren als Schmuck und Gebrauchsgegenstand von den Menschen gesammelt und geschätzt. Funde aus der Steinzeit belegen bereits das frühzeitige Interesse des Menschen an den hellgelben, rötlich fossilen Harzen, die als Schmuck und als Grabbeilage große Bedeutung hatten. Aber auch Spielfiguren wurden gefunden, die kunstvoll unter der Zuhilfenahme von verschiedenen Werkzeugen hergestellt wurden. Aufgrund der geringen Härte des Bernsteins war dies ohne große Probleme möglich.
Bernsteine erfreuten sich auch besonders großer Beliebtheit als begehrtes Tausch- und Luxusgut, vor allem im Nord- und Ostseeraum. Dort wurden die Steine massenweise an Land gespült und konnten somit bequem gesammelt werden. Von dort aus nahmen sie ihren Weg als Tauschprodukt bis nach Griechenland und Ägypten. Dort standen sie als „Tränen oder Harn der Götter“ hoch im Kurs und wurden geradezu verehrt. Die Verarbeitung als Schmuckstein stand dabei besonders im Mittelpunkt.
In der Neuzeit setzte sich der Sammeltrend des Bernsteins weiter fort. Die katholische Kirche verwendete zum Beispiel seit dem Mittelalter das gut zu bearbeitende fossile Baumharz zur Herstellung von Rosenkranz-Gebetsketten. Die europäischen Herrscherhäuser nutzten Bernstein als Repräsentationsmerkmal ihrer Machtpositionen und ließen kunstvolle Verzierungen und Schmuckgegenstände herstellen. Das wohl bekannteste Beispiel von Bernsteinbearbeitung aus dieser Zeit stammt vom ersten preußischen König Friedrich I., der einen ganzen Raum seines Charlottenburger Schlosses in Berlin mit Bernsteinverkleidungen anfertigen ließ. Es ging als „Bernsteinzimmer“ in die Geschichte ein und gilt seit dem Zweiten Weltkrieg als verschollen. Viele Spekulationen und Hinweise lassen auf mehr als hundert verschiedene Standorte des Bernsteinzimmers schließen.
Die heutige Bernsteinindustrie lebt zu fast 99 % von den Vorkommen im baltischen Raum, also dem so genannten Baltischen Bernstein, der gerne auch als einziger „echter“ Bernstein bezeichnet wird. Weitere eher unbedeutende Abbauländer sind Mexiko, Dominikanische Republik, Japan und Birma in Südostasien. Der Baltische Bernstein wird überwiegend nahe Kaliningrad (Königsberg) in etwa 30 m Tiefe abgebaut. Die Jahresproduktion beläuft sich auf Mengen zwischen 400 und 600 t. Vorsichtige Schätzungen gehen heute davon aus, dass rund ein Viertel der russischen und ukrainischen Förderung illegal stattfindet.
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